Zwei Monate nach dem Start der englischen und der deutschen Version deiner Website öffnest du die Search Console. Die Seiten sind im Index, der Sprachumschalter funktioniert, das Plugin meldet munter „hreflang: OK“. Doch im Bericht „Leistung“ mit Filter auf Deutschland oder Großbritannien stehen ein paar Dutzend Impressionen, und die Hälfte davon entfällt auf ukrainische Seiten. Jemand in München hat einen Lieferanten gesucht, Google hat ihm Text in kyrillischer Schrift gezeigt, und er ist wieder gegangen.
Für ein Unternehmen, das in mehreren Märkten verkauft, ist ein neues Land längst kein Projekt für „irgendwann später“ mehr. Hersteller suchen Distributoren in Polen und Deutschland, IT-Firmen verkaufen nach Großbritannien und in die Niederlande, Dienstleister arbeiten mit Kunden im Ausland. Und fast jedes dieser Projekte stößt früher oder später auf dieselbe Frage: Warum zeigt Google nicht die richtige Sprachversion den richtigen Menschen?
Die einfachste Antwort lautet: „hreflang ist kaputt“. Manchmal stimmt das. Häufiger ist hreflang aber ordentlich eingerichtet, und das eigentliche Problem sitzt gleich daneben: im Canonical, in der Übersetzung, in der internen Verlinkung oder darin, dass die englische Seite schlicht schwächer ist als die Konkurrenz, die von Haus aus auf Englisch schreibt.
Unten findest du 10 Gründe, warum hreflang nicht die erwartete Wirkung zeigt. Damit es nicht abstrakt bleibt, gehen wir sie an einem fiktiven Beispiel durch: Ein ukrainischer Exporteur von Tiefkühlbeeren verkauft im Großhandel an Distributoren. Die Website hat drei Versionen: Ukrainisch, Englisch für internationale Einkäufer und Deutsch für Deutschland und Österreich.
1. Was hreflang ist und was es eigentlich nicht tut
Mit hreflang sagst du Google: „Diese Seite hat Versionen in anderen Sprachen oder für andere Regionen, und das sind ihre Adressen.“ Google nutzt diese Information, um jedem Menschen die Version zu zeigen, die zu seiner Sprache und Region passt. Das schreibt Google selbst in der Hilfe „Tell Google about localized versions of your page“: Das Markup hilft der Suche, Nutzer auf die passendste Version zu leiten.
Für unseren Exporteur sieht die Seitengruppe „Himbeeren tiefgekühlt im Großhandel“ so aus:
- Ukrainisch:
/ua/malyna-optom/; - Englisch:
/raspberries-wholesale/; - Deutsch:
/de/himbeeren-grosshandel/.
Google bietet drei gleichwertige Wege, diese Information zu übermitteln, und du solltest einen davon wählen, nicht alle gleichzeitig. In der Hilfe steht ausdrücklich, dass du alle drei zugleich verwenden kannst, es der Suche aber nichts bringt.
| Methode | Wo sie steckt | Für wen sie passt |
|---|---|---|
<link>-Tags im <head> |
Im HTML jeder Seite | Die meisten Websites mit CMS |
HTTP-Header Link |
In der Serverantwort | Dateien ohne HTML, zum Beispiel PDF-Kataloge |
XML-Sitemap mit xhtml:link |
In der Sitemap-Datei | Große Websites, bei denen Eingriffe ins HTML umständlich sind |
Am häufigsten sind Tags im <head>. Auf jeder der drei Seiten steht derselbe Satz:
<link rel="alternate" hreflang="uk" href="https://example.com/ua/malyna-optom/">
<link rel="alternate" hreflang="en" href="https://example.com/raspberries-wholesale/">
<link rel="alternate" hreflang="de" href="https://example.com/de/himbeeren-grosshandel/">
<link rel="alternate" hreflang="x-default" href="https://example.com/raspberries-wholesale/">
x-default ist die Rückfalloption: Google zeigt sie, wenn keine der Versionen zur Sprache des Menschen passt. Für einen Exporteur ist es logisch, sie der englischen Seite zu geben, denn ein Einkäufer aus Spanien oder Dänemark liest eher Englisch als Deutsch.
Genauso ist unsere eigene Website grandma.agency aufgebaut: Die englische Version liegt ohne Präfix und ist x-default, Ukrainisch liegt unter /ua/, Deutsch unter /de/. Jeder Artikel hat ein canonical auf sich selbst und gegenseitige hreflang für uk, en, de plus x-default. Prüfen kannst du das mit einem einzigen Befehl:
curl -s https://grandma.agency/blog/how-to-speed-up-wordpress-site/ | grep -E 'canonical|hreflang'
Jetzt zum Wichtigsten, das gern vergessen wird. Hreflang hebt eine Seite in der Suche nicht nach oben. Es erzeugt keine Nachfrage nach „frozen raspberries wholesale“, verleiht der Seite keine Autorität, macht die Übersetzung nicht besser und schlägt keine Wettbewerber. Es erklärt nur, welche Seiten Versionen voneinander sind. Google formuliert das vorsichtig: Auch ohne Markup kann es die Sprachversionen selbst finden, mit Markup bekommt es einen Hinweis, welche Version wem gezeigt werden soll. Ein Befehl an die Suchmaschine ist hreflang nicht.
Wenn die englische Seite schwach oder isoliert ist oder sich in ihren technischen Signalen selbst widerspricht, retten sie auch korrekte Tags nicht.
2. Grund 1. Canonical und hreflang sagen Verschiedenes
Das ist der leiseste und wohl häufigste Fehler. Die Seiten sind übersetzt, hreflang ist gesetzt, aber im <head> der englischen Version zeigt das Canonical auf die ukrainische:
<!-- auf der Seite /raspberries-wholesale/ -->
<link rel="canonical" href="https://example.com/ua/malyna-optom/">
Für Google klingt das so: „Die eigentliche Seite ist die ukrainische, diese hier ist nur eine Kopie.“ Und hreflang sagt das Gegenteil: „Das ist eine eigene englische Version.“ Wenn sich Signale widersprechen, entscheidet die Suchmaschine selbst, und oft nicht zu deinen Gunsten.
In der Hilfe zu Duplikaten und Canonical empfiehlt Google, das Canonical in derselben Sprache anzugeben und für Sprachversionen rel="alternate" hreflang zu verwenden, weil Canonical dafür nicht gedacht ist. Die Regel ist einfach: Jede Sprachversion hat ein Canonical auf sich selbst.
Woher der Fehler kommt: Das Mehrsprachigkeits-Plugin und das SEO-Plugin sind getrennt eingerichtet, die Seitenvorlage wurde samt Canonical-Feld aus der ukrainischen Version kopiert, oder jemand hat das Canonical „der Ordnung halber“ von Hand eingetragen. Die Prüfung ist leicht: Öffne die englische Seite, klicke mit der rechten Maustaste auf „Seitenquelltext anzeigen“ und suche rel="canonical". Die Adresse dort muss mit der Adresse in der Browserzeile übereinstimmen. Noch zuverlässiger ist das Feld „Google-selected canonical“ (die von Google gewählte kanonische URL) im Tool zur URL-Prüfung in der Search Console. Hat Google die ukrainische Seite statt der englischen gewählt, ist das Problem gefunden. Mehr zu den Fällen, in denen Google deinem Canonical nicht folgt, findest du in unserem Artikel über Canonical.
3. Grund 2. Die Seite wurde übersetzt, aber nicht lokalisiert
Übersetzung beantwortet die Frage „Wie sagt man das auf Englisch?“. Lokalisierung beantwortet die Frage „Was muss ein Einkäufer aus Hamburg wissen, um uns zu schreiben?“.
Die ukrainische Seite des Exporteurs kann mit Formulierungen wie „Lieferung in der ganzen Ukraine“, „Preise in Hrywnja inkl. MwSt.“ oder „Selbstabholung ab Lager in Schytomyr“ bestens funktionieren. Wörtlich ins Deutsche übersetzt, wirkt sie seltsam: Es fehlen Lieferbedingungen (Incoterms), Zertifikate, nach denen ein europäischer Großhändler fragt, die Mindestmenge in Paletten, die Temperaturführung beim Transport, Lieferzeiten in die EU. Man versteht jedes Wort, findet aber keine Antworten auf die eigenen Fragen.
Ein eigenes Wort zur maschinellen Übersetzung ohne Lektorat. In den Spamrichtlinien nennt Google unter den Beispielen für massenhaft erstellte minderwertige Inhalte ausdrücklich automatische Umwandlungen, darunter Übersetzungen. Das heißt nicht, dass jede maschinelle Übersetzung verboten ist. Es heißt, dass hundert Seiten, die ohne jeden Mehrwert durch einen Übersetzer gejagt wurden, Gefahr laufen, genau so auszusehen.
Was zu tun ist:
- herausfinden, wie ausländische Kunden ihre Suche formulieren (auf Englisch kann das „IQF raspberries supplier“ heißen und nicht die wörtliche Übersetzung deiner Überschrift);
- ergänzen, was genau in diesem Markt zählt: Lieferbedingungen, Zertifikate, Währung, Kontakte mit internationaler Vorwahl;
- den Text von einer Muttersprachlerin oder einem Muttersprachler gegenlesen lassen, oder wenigstens von jemandem, der mit diesem Markt arbeitet.
4. Grund 3. Die Meta-Tags sind ukrainisch geblieben
Der Seiteninhalt wurde übersetzt, Title und Meta Description hat man vergessen. Oder das Plugin hat den Titel aus der ukrainischen Version übernommen. In den Suchergebnissen erscheint die englische Seite mit ukrainischem Titel, und niemand klickt, selbst wenn Google die richtige Version gezeigt hat.
Was außerdem oft unübersetzt bleibt:
- Open Graph (wie die Seite aussieht, wenn sie auf LinkedIn oder im Messenger geteilt wird);
- Alt-Texte der Bilder;
- Beschriftungen von Buttons, Formulare, die Meldung nach dem Absenden einer Anfrage;
- Breadcrumbs, Menü, Footer.
Der letzte Punkt ist wichtiger, als er scheint. Google bestimmt die Sprache einer Seite anhand des sichtbaren Inhalts, nicht anhand des lang-Attributs oder von hreflang, und empfiehlt, auf einer Seite eine einzige Sprache für Text und Navigation zu verwenden. Eine Seite, auf der der Artikel englisch ist, Menü, Footer und die Hälfte der Widgets aber ukrainisch, sendet ein gemischtes Signal. Deshalb gehört zu den ersten Prüfungen einer Sprachversion: das „Ich weiß ja, was hier steht“ im Kopf abschalten und die Seite mit den Augen eines Ausländers ansehen. Wie du Title und Description auf die Suchintention ausrichtest, zeigen wir im SEO-Audit, das du selbst beginnen kannst.
5. Grund 4. Die englische Seite hat keine eigenen Links
Die ukrainische Website des Exporteurs hat jahrelang Erwähnungen gesammelt: Branchenverzeichnisse, Profile auf Agrarportalen, Artikel in regionalen Medien. All diese Links führen auf ukrainische Seiten. Die englische Version gibt es seit zwei Monaten, und niemand verlinkt sie.
Hreflang überträgt Autorität nicht automatisch von einer Version auf die andere. Es sagt nur, dass die Seiten zusammengehören. Im englisch- oder deutschsprachigen Markt konkurriert deine Seite mit Unternehmen, die Links von Branchenverbänden, Handelsplattformen und Medien aus diesem Land haben.
Hunderte Links brauchst du dafür nicht. Für einen B2B-Exporteur reichen oft ein paar gute: ein Profil auf einer internationalen Handelsplattform mit Link genau auf die englische Seite, eine Ausstellerseite einer Messe, ein Eintrag im Verzeichnis eines Branchenverbands, Partner, die schon mit dir arbeiten. Entscheidend ist, dass die Links auf die passende Sprachversion führen und nicht auf die ukrainische Startseite.
6. Grund 5. Die interne Verlinkung zieht zurück in die ukrainische Version
Ein typisches Bild nach dem Start einer Sprachversion: Die englischen Seiten sind übersetzt, aber die Links im Text zeigen weiterhin auf ukrainische Adressen. Der Button „Contact us“ führt zu /ua/kontakty/. Das Logo im Header bringt dich zurück auf die ukrainische Startseite. Der Sprachumschalter wirft dich von jeder Seite auf die Startseite der anderen Sprache statt auf die entsprechende Seite.
Für Google bedeutet das, dass die englischen Seiten untereinander schwach verbunden sind und wenige interne Links bekommen. Für den Menschen bedeutet es, dass er nach einem Klick wieder kyrillische Schrift vor sich hat.
Noch eine Falle: automatische Weiterleitung nach IP-Adresse oder Browsersprache. Google rät davon ab: Automatische Weiterleitungen können Menschen wie Crawler daran hindern, alle Versionen zu sehen. Besser ist ein dezenter Hinweis wie „Is English better for you?“, und der Mensch entscheidet selbst.
Was du prüfen solltest:
- Links im Text englischer Seiten führen auf englische Seiten;
- der Sprachumschalter führt auf die entsprechende Seite, nicht auf die Startseite;
- englische Blogartikel verlinken auf englische Produkt- und Leistungsseiten;
- die englische Version hat ein eigenes Menü und eigene Breadcrumbs.
7. Grund 6. Die Seiten sind zu ähnlich oder zu dünn
Manchmal ist die englische Seite im Index, hreflang ist korrekt, und trotzdem gibt es kaum Impressionen. Du öffnest sie, und da stehen dreihundert Wörter, ein Absatz „We are a reliable supplier of high-quality frozen berries“ und ein Formular. Die ukrainische Version ist genauso kurz, und zu Hause rankt sie noch irgendwie, weil es weniger Konkurrenz gibt.
Ein Sonderfall: Der Hauptinhalt der Seite ist gar nicht übersetzt, nur Header, Menü und Überschrift. Google schreibt in der Hilfe ausdrücklich, dass Sprachversionen nur dann als Duplikate gelten, wenn der Hauptinhalt unübersetzt geblieben ist. Eine ordentlich übersetzte Seite ist also kein Duplikat, eine nur im Header „übersetzte“ kann sehr wohl eines sein.
Im englischsprachigen Markt ist der Wettbewerb härter, und eine dünne Seite verliert. Hier hilft kein Auffüllen mit Wörtern, sondern Antworten auf die Fragen des Einkäufers: welche Sorten und Kaliber, wie ihr verpackt, wie hoch die Mindestmenge ist, welche Dokumente ihr liefert, wie schnell ihr auf eine Anfrage antwortet, was bei einer Reklamation passiert. Eine Tabelle mit Spezifikationen ist oft nützlicher als drei Absätze über Qualität.
8. Grund 7. Fehler in Sprach- und Regionscodes und im Markup selbst
Hier wohnen die klassischen technischen Fehler. Google unterstützt nur Sprachcodes nach ISO 639-1 und bei Bedarf Regionscodes nach ISO 3166-1 Alpha 2. Ein Regionscode ohne Sprache funktioniert nicht: Der erste Code ist immer die Sprache.
| Falsch | Richtig | Was nicht stimmt |
|---|---|---|
ua |
uk |
ua ist der Ländercode der Ukraine, die Sprache heißt uk |
en-UK |
en-GB |
Der Code für Großbritannien ist GB; Google schreibt ausdrücklich, dass UK keine Wirkung hat |
de-AU |
de-AT |
AU ist Australien, Österreich ist AT |
en-EU |
en |
EU ist kein Ländercode, Google berücksichtigt ihn nicht |
DE |
de oder de-DE |
Eine Region ohne Sprache lässt sich nicht angeben |
Der Fehler ua statt uk ist auf Websites mit ukrainischer Version besonders häufig, weil man ua aus Domains und Adressen gewohnt ist. In der Seitenadresse darfst du /ua/ schreiben, das ist nur ein Pfad. Im hreflang muss uk stehen.
Die zweite Fehlergruppe betrifft die Logik des Markups:
- Keine Rückverweise. Google schreibt es klar: Wenn zwei Seiten nicht gegenseitig aufeinander verweisen, werden die Tags ignoriert. Die englische Seite verweist auf die ukrainische, die ukrainische aber nicht auf die englische, und das Paar funktioniert nicht.
- Kein Selbstverweis. Jede Version muss nicht nur die anderen Sprachen auflisten, sondern auch sich selbst.
- Relative Adressen. Google verlangt vollständige Adressen mit Protokoll:
https://example.com/de/..., nicht/de/.... - Verweise auf nicht funktionierende Adressen. Im hreflang steht eine Seite mit Weiterleitung, mit 404, mit
noindexoder per robots.txt gesperrt. Sinnvoll ist es, nur Adressen anzugeben, die mit Statuscode 200 antworten, zur Indexierung offen sind und ein Canonical auf sich selbst haben. - Widersprüchliche Quellen. Hreflang steht sowohl im HTML als auch in der Sitemap, und beide unterscheiden sich, weil die Sitemap von einem eigenen Plugin erzeugt wird, das die neue Seite nicht kennt.
Einen eigenen hreflang-Bericht gibt es in der Search Console derzeit nicht. Google verweist in seiner Hilfe auf Prüftools von Drittanbietern, mit dem Hinweis, dass es diese selbst nicht unterstützt. In der Praxis funktioniert eine Kombination: ein Website-Crawler (Screaming Frog, Sitebulb oder vergleichbar), um Gegenseitigkeit und Codes auf der ganzen Website zu prüfen, plus eine manuelle Kontrolle der wichtigsten Seiten im Quelltext.
9. Grund 8. Dem englischen Bereich fehlt thematisches Gewicht
Eine einzige englische Seite „Frozen raspberries wholesale“ auf einer Website, deren übriger Inhalt nur ukrainisch ist, sagt Google wenig über die Expertise des Unternehmens auf Englisch. Der ukrainische Teil hat vielleicht Dutzende Artikel, Fallstudien und Produktseiten. Der englische wirkt wie eine Insel.
Eine Suchmaschine zeigt leichter eine Seite aus einem Bereich, in dem das Thema von mehreren Seiten beleuchtet wird: einzelne Produktseiten, eine Seite zur Zertifizierung, Antworten auf typische Fragen von Importeuren, Konditionen der Zusammenarbeit, ein paar Beiträge zu Saison und Logistik. Das heißt nicht „übersetze alles“. Es heißt, dass du für einen Schlüsselmarkt einen kleinen, aber geschlossenen Cluster aufbauen solltest, statt einer einzelnen Seite und viel Hoffnung.
Fang mit dem an, was tatsächlich gesucht wird: Erstelle eine Liste von Suchanfragen auf Englisch und Deutsch, schau, wer gerade in den Ergebnissen steht, und lege die 5-10 Seiten fest, ohne die der Bereich unvollständig wirken würde. Wenn du Hilfe bei Keyword-Recherche und Struktur für mehrere Märkte brauchst, gehört das zu unserer SEO-Leistung.
10. Grund 9. Die Seite erfüllt nicht die Erwartungen von Menschen aus diesem Markt
Google schreibt, dass es aggregierte und anonymisierte Interaktionsdaten nutzt, um zu beurteilen, ob Ergebnisse zu Suchanfragen passen. Welche Signale genau und mit welchem Gewicht, verrät es nicht, also bau deine Strategie nicht auf Mythen über die „Absprungrate“. Die Logik ist aber klar: Wenn jemand aus Deutschland die Seite öffnet und nach ein paar Sekunden weitersucht, hat ihn etwas auf der Seite nicht überzeugt.
Was ausländische Besucher am häufigsten abschreckt:
- Preise in Hrywnja oder „Preis auf Anfrage“ ohne jeden Anhaltspunkt;
- eine Telefonnummer ohne internationale Vorwahl, nur Viber und Telegram;
- keine Informationen zu Lieferung in die EU, Zöllen, Dokumenten;
- ein Anfrageformular mit einem Feld für die ukrainische Oblast und Pflichtfeld für eine ukrainische Telefonnummer;
- kein Firmenname, keine Adresse, keine Firmendaten, also nichts von dem, was für einen B2B-Käufer „mit dieser Firma kann man arbeiten“ bedeutet;
- die Seite lädt im europäischen Mobilfunknetz langsam.
Keiner dieser Punkte hat mit hreflang zu tun, sondern damit, ob die Seite für einen fremden Markt bereit ist. Zur Geschwindigkeit separat: Lies Core Web Vitals: was du ohne Entwickler beheben kannst.
11. Grund 10. Die Seite ist einfach noch jung
Der letzte Grund ist der am wenigsten technische und der unangenehmste. Für Google ist eine neue Sprachversion praktisch ein neuer Bereich der Website. Er muss gefunden, gecrawlt und indexiert werden, und Google muss verstehen, womit er zusammenhängt und wie weit man ihm in einem umkämpften Markt vertrauen kann. Das passiert nicht in einer Woche.
Deshalb ist es einen Monat nach dem Start zu früh für das Urteil „hreflang funktioniert nicht“. Sinnvoller ist der Blick auf die Entwicklung: Tauchen Impressionen aus den richtigen Ländern auf, wächst die Zahl der Suchanfragen, für die englische Seiten angezeigt werden, gibt es weniger Fälle, in denen Google einem Ausländer die ukrainische Seite zeigt? Wenn sich etwas bewegt, funktioniert das System, nur langsam. Wenn die Impressionen nach einigen Monaten immer noch bei null liegen, geh zurück zu den Punkten 1-9.
12. Und wenn das Problem gar nicht beim hreflang liegt?
Hreflang ist ein bequemer Schuldiger. Man kann es prüfen, ein paar Fehler finden, sie beheben und das Gefühl haben, die Arbeit sei erledigt. Aber hreflang löst nur eine Frage: welche deiner Versionen einem bestimmten Menschen gezeigt wird. Ob deine Seite überhaupt gezeigt werden sollte, beantwortet es nicht.
Eine englische Seite kann aus Gründen nicht ranken, die mit hreflang nichts zu tun haben:
- starke Wettbewerber, die seit Jahren in diesem Markt arbeiten;
- eine Marke, die im neuen Markt niemand kennt und niemand sucht;
- wenige externe Erwähnungen und Bewertungen von Kunden aus diesen Ländern;
- keine Fallstudien mit ausländischen Kunden;
- technische Probleme der Website insgesamt: Indexierung, Geschwindigkeit, Duplikate.
Sieh hreflang deshalb als technische Grundvoraussetzung. Es muss korrekt eingerichtet sein, aber Wachstum in einem neuen Markt bringen Inhalt, Vertrauen und Links.
13. So prüfst du eine mehrsprachige Website nach dem Start der englischen Version
Hier ist eine Checkliste, die du gleich nach dem Start durchgehen und nach einem Monat wiederholen solltest.
Technik:
- jede Sprachseite hat ein Canonical auf sich selbst;
- alle Versionen sind per hreflang gegenseitig verknüpft, jede nennt auch sich selbst;
- Sprachcodes nach ISO 639-1 (
uk,en,de), Regionscodes nach ISO 3166-1 Alpha 2 (GB,AT); - x-default ist festgelegt;
- im hreflang nur vollständige Adressen mit
https://, nur Seiten mit Statuscode 200, ohnenoindexund Weiterleitungen; - hreflang ist auf eine Weise angegeben, oder in HTML und Sitemap identisch;
- keine automatische Weiterleitung nach IP oder Browsersprache.
Inhalt:
- Title, Description, Open Graph und Alt-Texte sind für jede Sprache eigens übersetzt;
- Menü, Footer, Formulare und Meldungen sind übersetzt;
- Preise, Kontakte und Konditionen sind an den Markt angepasst;
- englische Seiten verlinken auf englische, deutsche auf deutsche;
- der Sprachumschalter führt auf die entsprechende Seite.
Monitoring in der Search Console:
- im Bericht „Leistung“ den Filter „Land“ hinzufügen und schauen, welche Seiten in Deutschland, Großbritannien und Österreich angezeigt werden;
- einen Filter „Seite“ mit
/de/hinzufügen, um den deutschen Teil getrennt zu sehen; - für wichtige Seiten in der „URL-Prüfung“ nachsehen, welche kanonische Seite Google gewählt hat.
Prüfe außerdem Seiten, die mit Page Buildern oder als eigene Inhaltstypen (Custom Post Types) im CMS erstellt wurden. Genau dort übernehmen Mehrsprachigkeits-Plugins am häufigsten kein hreflang oder setzen ein fremdes Canonical.
14. Was tun, wenn die englische Seite schon indexiert ist, aber keinen Traffic bringt
Die schlechteste Strategie: alles auf einmal ändern, also Text umschreiben, URL ändern, neues Plugin installieren und Links kaufen, alles in einer Woche. Danach lässt sich nicht mehr erkennen, was geholfen und was etwas kaputtgemacht hat.
Geh der Reihe nach vor, vom Günstigen zum Teuren:
| Schritt | Was du tust | Woran du erkennst, dass es dein Fall ist |
|---|---|---|
| 1. Technik | Canonical, hreflang, Codes, Indexierung, Sitemap | Google wählt die ukrainische Seite als kanonische, der Crawler zeigt Fehler bei der Gegenseitigkeit |
| 2. Metadaten | Übersetzung von Title, Description, OG | In den Ergebnissen steht die englische Seite mit ukrainischem Titel |
| 3. Inhalt | Lokalisierung, Antworten auf die Fragen des Markts | Die Seite ist kurz, ohne Lieferbedingungen, Preise, Dokumente |
| 4. Interne Verlinkung | Interne Links zwischen Seiten derselben Sprache | Die Seite bekommt kaum interne Links aus ihrer Sprache |
| 5. Cluster | 5-10 weitere Seiten rund um das Schlüsselthema | Der englische Bereich besteht aus ein oder zwei Seiten |
| 6. Externe Signale | Profile, Verzeichnisse, Partner mit Link auf die Sprachversion | Technisch und inhaltlich ist alles in Ordnung, aber die Impressionen bleiben gering |
Ist eine Seite technisch korrekt, aber inhaltlich schwach, muss sie nicht „nachpoliert“, sondern als eigenständiger Text für den ausländischen Käufer neu geschrieben werden. Ist sie gut, aber isoliert, braucht sie Links. Ist der Bereich winzig, muss er wachsen. Und wenn die Sprachversionen zusammen mit dem Umzug auf eine neue Website oder ein neues CMS kommen, verlier unterwegs nicht deine alten Adressen: Richte die Weiterleitungen von jeder alten Adresse auf ihr neues Gegenstück vor der Umstellung ein, nicht danach.
15. Fazit
Hreflang braucht man. Ohne hreflang versteht Google schwerer, welche deiner Seiten für wen gedacht ist, und zeigt öfter die falsche Version. Aber hreflang macht eine Seite nicht stärker, es hilft nur, das, was du schon hast, richtig auf die Menschen zu verteilen.
Wenn deine englische Seite in Europa nicht angezeigt wird, kann die Ursache ein einziger Buchstabe in einem Code sein, ein Canonical, das auf die ukrainische Version zeigt, eine Seite in gemischten Sprachen, fehlende Links oder die Tatsache, dass die Seite die Fragen eines Einkäufers aus einem anderen Land noch nicht beantwortet. Statt „Warum ignoriert Google unser hreflang?“ ist deshalb die nützlichere Frage: „Ist diese Seite wirklich die beste Antwort für einen Menschen aus diesem Markt?“
Wenn du Sprachversionen startest und willst, dass sie von Anfang an richtig aufgebaut sind, oder wenn du schon gestartet hast und nicht verstehst, warum sie schweigen, schreib uns. Wir schauen uns Markup, Canonicals und Inhalte an und sagen dir, was genau bremst und was einfach Zeit braucht. Eine Website für mehrere Märkte können wir auch von Grund auf bauen.
16. FAQ
17. Quellen
- Google Search Central, Tell Google about localized versions of your page
- Google Search Central, Managing multi-regional and multilingual sites
- Google Search Central, How to specify a canonical URL with rel="canonical" and other methods
- Google Search Central, Spam policies for Google web search
- Google Search, How results are automatically generated (ranking results)
- Search Console-Hilfe, Tool zur URL-Prüfung
- Library of Congress, Codes for the Representation of Names of Languages (ISO 639)
