Nach einem Relaunch sieht die Klickkurve in der Search Console wie eine Treppe nach unten aus. Der Dienstleister sagt: „Google hat wahrscheinlich den Algorithmus geändert.“ Das ist möglich. Du kannst aber zuerst etwas Einfacheres prüfen: Öffnen sich die alten Seitenadressen noch, und wohin führen sie jetzt? Wenn Käufer und Suchmaschinen statt Produkten Fehlerseiten finden, ist die Algorithmus-Erklärung verfrüht.
Ein SEO-Audit untersucht, warum wichtige Seiten möglicherweise nicht erreichbar, nicht eindeutig oder für Suchanfragen nicht passend sind. Ein gutes Ergebnis ist kein dicker PDF-Bericht, sondern eine Liste geprüfter Probleme mit URL, Beleg, Priorität und Abnahmekriterium. Einen Teil der wichtigsten Fehler kann der Inhaber in 40 Minuten selbst erkennen. Für den Rest braucht es Zugänge, Werkzeuge und jemanden, der Scanner-Rauschen von tatsächlichem Verlust unterscheiden kann.
Wir gehen den Selbsttest an einem hypothetischen Onlineshop für Haushaltswaren durch. Nach dem Relaunch hat er die Adressen von Kategorien und Produkten geändert, aber keine Weiterleitungen von den alten URLs eingerichtet. Das ist ein Lehrbeispiel, kein GrandMa-Kundenfall und keine bestätigte Ursache für den Rückgang einer realen Website.
1. Vor dem Timer: Was hat sich überhaupt verändert?
Notiere das Datum des Relaunchs und wähle zwei gleich lange Zeiträume davor und danach. Vergleiche in der Search Console Klicks und Impressionen getrennt und filtere dann nach Seiten und Suchanfragen. Wenn nur die Klicks sinken, die Impressionen aber ähnlich bleiben, kann die Ursache eine andere sein als bei einem Rückgang beider Werte. Betrifft die Veränderung nur eine Kategorie, diagnostiziere nicht gleich den ganzen Shop. Bei sehr wenigen Daten können schon einige Besuche eine dramatische Kurve erzeugen.
Für unseren hypothetischen Shop wählen wir fünf wichtige URLs: die Startseite, zwei Kategorien und zwei Produkte, die vor dem Relaunch Besuche über die Suche erhielten. Die alten Adressen findest du im früheren Search-Console-Bericht, in einer alten Sitemap oder einer gespeicherten Seitenliste. Schreibe die entsprechenden neuen URLs daneben. So hast du einen Vergleich, statt auf „gesamte Website scannen“ zu klicken und auf ein Urteil zu warten.
2. Selbsttest in 40 Minuten
Das ist kein vollständiges technisches SEO-Audit. Der Ablauf hilft dir zu erkennen, ob eine dringende Korrektur, eine tiefere Diagnose oder beides nötig ist. Zugang zur Search Console ist sehr hilfreich; ohne ihn siehst du weniger.
| Zeit | Werkzeug und Handlung | Worauf du achtest | Warnsignal |
|---|---|---|---|
| 0-8 Min. | Search Console → Performance: Zeiträume vergleichen; Pages und Queries öffnen. | Welche URLs und Suchanfragen nach dem Relaunch Impressionen oder Klicks verloren haben. | Wichtige Produkt-URLs verschwinden, während sich die Startseite kaum verändert. |
| 8-15 Min. | Search Console → Page indexing und URL Inspection für zwei oder drei wichtige Adressen. | Kennt Google die neue Seite, was erklärt eine Nichtindexierung, und welche kanonische URL sieht Google? | Die neue Seite hat noindex, einen Serverfehler oder eine unerwartete kanonische Adresse. |
| 15-24 Min. | Zwei oder drei alte URLs im Browser öffnen; endgültige Adresse und HTTP-Status mit Browserwerkzeugen oder einem Header-Checker prüfen. | Führt die alte Adresse zur entsprechenden neuen Seite statt zu einem Fehler oder zur Startseite? | Eine alte Produktseite liefert 404, das neue Produkt existiert, aber dazwischen fehlt die Weiterleitung. |
| 24-29 Min. | Bei Google nach site:deine-domain suchen. |
Grob prüfen, ob wichtige Seiten auftauchen und alte Titel geblieben sind. | Es erscheinen nur technische Zufalls-URLs, aber keine wichtigen Seiten; prüfe diese einzeln. |
| 29-35 Min. | PageSpeed Insights für die Startseite und eine wichtige Produktseite aufrufen; die Seite auch am Smartphone öffnen. | Sind Konditionen lesbar und der Kaufbutton antippbar, ohne dass die Seite unter dem Finger springt? | Der Button ist nicht erreichbar oder Inhalte erscheinen auf einem echten Gerät erst sehr spät. |
| 35-40 Min. | robots.txt, Sitemap, Title, Canonical und interne Links der ausgewählten URLs prüfen. |
Sind die neuen Adressen in den Wegen und Signalen der Website angekommen? | Die Sitemap listet alte URLs, während Navigation und Canonical auf verschiedene neue Adressen zeigen. |
Die Berichtsnamen entsprechen hier der englischen Search-Console-Oberfläche; übersetzte Menüs und Einstellungen können abweichen. Google erklärt die Aufgaben der Search Console. URL Inspection zeigt Googles bekannte Version einer Seite und bietet einen gesonderten Test der Live-URL. Das sind verschiedene Zustände: Die Website kann bereits geändert sein, während Google die neue Version noch nicht gecrawlt hat.
Der Operator site: dient zur schnellen Orientierung. Google weist aber darauf hin, dass seine Ergebnisse keine vollständige Liste indexierter URLs sind. Behandle die Zahl über den Suchergebnissen nicht wie eine Buchführung der Indexierung. Für eine konkrete Seite nutze URL Inspection.
Fehlt dir der Search-Console-Zugang, notiere das als erstes organisatorisches Problem. Bitte den Eigentümer der Property um Zugang zur passenden Domain oder Property, statt dir einmal im Monat einen Screenshot der Kurve schicken zu lassen. Bis dahin prüfst du Live-Seiten, alte URLs und den mobilen Kaufweg. Trenne im Bericht klar, was du selbst gesehen hast, und was ohne Search Console noch unbekannt ist.
3. Was der hypothetische Shop zeigt
In unserem Szenario liefert eine alte Produkt-URL nach dem Relaunch 404. Die neue URL funktioniert, aber die alte leitet nicht dorthin weiter. Zwei alte Kategorie-Links im Menü führen ebenfalls ins Leere. Das ist ein im Rahmen des Beispiels bestätigter technischer Fehler, der Menschen und Suchmaschinen betreffen kann. Er beweist noch nicht, welchen Anteil am Klickrückgang genau dieser Fehler verursacht hat: Nachfrage, Saison und veränderte Seiten können gleichzeitig wirken.
Die Korrektur beginnt mit einer Zuordnung: alte Kategorie → entsprechende neue Kategorie; altes Produkt → dasselbe Produkt unter der neuen Adresse. Für dauerhaft verschobene Seiten empfiehlt Google permanente serverseitige Weiterleitungen, zum Beispiel 301 oder 308. Leite nicht alle alten Produkte auf die Startseite. Der Besucher suchte ein bestimmtes Produkt und braucht einen nachvollziehbaren Weg dorthin. Wenn ein Produkt dauerhaft entfällt und es keinen passenden Ersatz gibt, kann 404 die ehrliche Antwort sein; das ist nicht automatisch ein „SEO-Fehler“.
Öffne nach der Einrichtung jedes alte/neue URL-Paar und prüfe endgültigen HTTP-Status, Produkt, Title, Canonical, interne Links und aktuelle Sitemap. Eine Kette aus mehreren Weiterleitungen solltest du zu einem direkten Sprung verkürzen. Beobachte danach die konkreten URLs in den folgenden Wochen in der Search Console. Google erklärt, dass ein erneuter Crawl bei einem Umzug Zeit braucht; ich würde kein Datum für die Rückkehr der früheren Klickzahl versprechen.
Das Beispiel zeigt auch, warum ein beauftragtes Audit nicht mit bunten Bewertungslisten beginnen sollte. Eine einzige fehlende Weiterleitung alter URLs kann wichtiger sein als Dutzende Warnungen zu dekorativen Bildern, wenn genau diese Adressen Käufer brachten.
Dokumentiere den Fund so, dass die Entwicklung deine Untersuchung nicht wiederholen muss. Für unseren Shop reicht eine kurze Tabelle:
| Geprüft | Beleg | Aufgabe | Abnahme |
|---|---|---|---|
| Alte Produkt-URL | Liefert HTTP 404; das Produkt ist unter einer anderen Adresse erreichbar. | Direkte permanente Weiterleitung von der alten Adresse zum entsprechenden neuen Produkt einrichten. | Alte URL öffnen, 301 oder 308 erhalten, das richtige Produkt erreichen und am Ende HTTP 200 sehen. |
| Alter Menülink | Ein Klick führt zu 404. | Link auf die aktuelle Kategorie ändern. | Menüpunkt am Smartphone und Desktop anklicken; URL und Inhalt passen zur Beschriftung. |
| Sitemap | Enthält eine veraltete URL. | Alte URL entfernen und die aktuelle aufnehmen, wenn sie in der Suche erscheinen soll. | Sitemap öffnen und die Übereinstimmung mit der neuen Struktur prüfen. |
Eine Spalte „erwarteter Traffic-Zuwachs“ fehlt. Den kann man aus drei Prüfungen nicht seriös berechnen. Stattdessen stehen dort konkrete Schritte und Merkmale für die Abnahme. Hat der Shop Tausende kaputte Adressen, wendet man dieselbe Logik auf die ganze Liste an und bleibt nicht bei drei Stichproben stehen.
4. Was andere Signale bedeuten
In Page indexing ist „nicht indexiert“ keine Diagnose. Google erklärt, dass eine Seite aus guten Gründen fehlen kann: Duplikat, absichtliches noindex oder dauerhaft entferntes Produkt ohne Ersatz. War eine URL nie im Index, nenne das nicht „Deindexierung“. Prüfe zuerst, ob diese Seite überhaupt in die Suche gehört und warum Google sie nicht aufgenommen hat.
robots.txt steuert, welche Seiten ein Crawler besuchen darf, ist aber kein verlässlicher Weg, eine Seite aus der Suche zu verstecken. noindex hat eine andere Aufgabe: Es teilt dem Crawler mit, dass er die Seite nicht indexieren soll, sofern er die Anweisung lesen kann. Widersprechen sich die Regeln, kann pauschales „alles freigeben“ schaden. Halte den Fund fest und lass dir den Plan von einem Fachmann erklären.
Ein Canonical signalisiert die bevorzugte Hauptadresse unter doppelten oder sehr ähnlichen Seiten. Google wertet es als Signal, nicht als zwingenden Befehl. Zeigt das Canonical eines neuen Produkts auf eine alte URL mit 404, ist das dringender als die Länge der Produktbeschreibung. Ebenso hilft eine Sitemap beim Entdecken von URLs, garantiert aber weder Indexierung noch Ranking.
PageSpeed Insights kann Daten echter Nutzer und einen Labortest anzeigen. Core Web Vitals beschreiben Ladezeit, Reaktionsfähigkeit und visuelle Stabilität. Ein einzelner gelber Wert beweist weder die Ursache des Traffic-Rückgangs noch sagt er eine Google-Position voraus. Springt die Produktseite aber genau beim Tippen auf „Kaufen“, ist das ein Kundenproblem, unabhängig vom Ranking-Diagramm.
5. Wann ein vollständiges Audit nötig ist
Vierzig Minuten reichen, um Symptome zu erkennen und Beispiele zu sammeln. Sie ersetzen keine Prüfung des ganzen Shops. Haben sich Tausende Adressen geändert, braucht es Listen alter und neuer URLs, einen Website-Crawl, eine Analyse der Kategorie- und Produktvorlagen sowie Prüfungen von Weiterleitungen, internen Links, Canonicals, Sitemaps und Search-Console-Daten. Manchmal sind Serverlogs nötig. Außerdem gilt es zu prüfen, ob Seiten echte Suchanfragen beantworten und ob sie miteinander konkurrieren.
Bei einer zehnseitigen Website mit einem offensichtlichen 404 ist der Umfang anders. Kaufe keine aufwendige Diagnose nur wegen eines dickeren Berichts. Wir erklären den Unterschied zwischen Kurzcheck und bezahlter Diagnose gesondert. Wenn du mit dem Problem einer Seite beginnen willst, gibt es bei GrandMa einen Website-Check. Unsere SEO-Leistung umfasst Recherche, Prioritäten und weitere Arbeit, wenn ein einzelner Check nicht genügt.
Ein brauchbares Audit berücksichtigt auch Seiten, die dem Unternehmen Anfragen bringen sollen. Weniger Klicks auf einen alten Blogartikel und das Verschwinden einer wichtigen Leistungsseite haben möglicherweise unterschiedliche Prioritäten. Bei einem lokalen Geschäft können das Unternehmensprofil und die Präsenz auf Google Maps ein eigener Teil der Sichtbarkeit sein, den ein technischer Website-Crawler nicht misst.
Zur Abnahme eines professionellen Audits würde ich drei Ebenen verlangen. Erstens eine kurze Zusammenfassung: Was ist geschehen, was ist belegt, was bleibt Hypothese? Zweitens ein Problemregister mit konkreten URLs, Reproduktionsschritt, Auswirkung, Priorität und Verantwortlichem. Drittens einen Plan für die Prüfung nach den Änderungen: welche URLs öffnen, welche Search-Console-Daten anschauen und wann erneut bewerten? Setzt der Dienstleister die Korrekturen ebenfalls um, sind das zwei getrennte Ergebnisse: Ein Problembericht beweist nicht, dass die Live-Website schon repariert ist.
Bitte darum, Abhängigkeiten zu markieren. Es bringt wenig, den Title einer alten URL umzuschreiben, die auf eine neue weiterleiten soll. Erst entscheidet man, welche Adresse bleibt, dann ändert man Felder und interne Links. Diese Reihenfolge spart der Redaktion Arbeit und verhindert neuen Inhalt auf einer Seite, die bald verschwindet.
6. Sechs Fragen vor der Beauftragung
- Welche URLs und Seitentypen prüft ihr? Frage nach Kategorien, Produkten, Leistungen, Blogartikeln und Ausnahmen. „Die ganze Website“ ist für eine Abnahme zu ungenau.
- Welche Daten nutzt ihr? Search Console, tatsächliche HTTP-Antworten, Website-Crawl, alte URL-Liste und Geschäftsfragen zeigen verschiedene Teile des Bildes.
- Wie unterscheidet ihr eine Ursache von einem zeitlichen Zusammentreffen? Beim Relaunch können sich mehrere Dinge geändert haben. Verlange bestätigte Fakten und die Grenzen der Aussage.
- Wie setzt ihr Prioritäten? Bitte um Erklärung von Wirkung auf wichtige Seiten, Risiko, Aufwand und Abhängigkeiten.
- Wer setzt die Änderungen um? Audit und Umsetzung können getrennte Aufträge sein. Halte Verantwortliche und Aufgabenformat für Entwicklung und Redaktion fest.
- Was bekomme ich am Ende? Erwarte konkrete URLs, Belege, einen Plan für die erste Priorität, eine Methode zur Nachprüfung und eine kurze Erklärung für den Inhaber.
Besteht das Ergebnis aus 80 PDF-Seiten mit 300 identischen „kritischen“ Warnungen, aber ohne erste fünf Schritte, weiß das Team am Montag noch immer nicht, was zu tun ist. Bei einem guten Audit kannst du eine URL öffnen, die Prüfung wiederholen und die Korrektur an die richtige Person geben. Prüfe nach der Umsetzung die Live-Seiten getrennt vom Versprechen im Dokument.
7. FAQ
8. Quellen
- Google Search Central: Einstieg in die Search Console
- Google Search Console: URL Inspection
- Google Search Console: Page indexing
- Google Search Central: Website-Umzug mit geänderten URLs
- Google Search Central: Grenzen des Operators site:
- Google Search Central: robots.txt
- Google Search Central: Canonical URLs
- Google Search Central: FAQ zu Crawling und Indexierung
- Google Search Central: Core Web Vitals
- Google PageSpeed Insights
