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Webentwickler auswählen und nicht zweimal für dieselbe Website bezahlen

Ein schönes Portfolio und ein netter Ansprechpartner heißen noch nicht, dass die Website dir gehört und je live geht. So prüfst du Dienstleister, Vertrag und Warnsignale im Projekt.

28.10.2026
Aktualisiert 28.10.2026
24 Min. Lesezeit

Du gibst „Website erstellen lassen“ in die Suche ein und bekommst Hunderte gleicher Versprechen: „schlüsselfertig“, „schnell“, „mit SEO“, „günstig“. Alle haben schöne Entwürfe und einen „individuellen Ansatz“. Diese Seiten sind dafür geschrieben, dass du anrufst, also bringt es nichts, sie miteinander zu vergleichen.

Die Wahl des Entwicklers scheitert meistens an Dingen, die am Anfang wie Kleinigkeiten aussahen: Die Domain läuft auf die Agentur, das Hosting hat der Freelancer mit seiner eigenen Karte bezahlt, im Vertrag steht „Erstellung einer Website“ ohne jede Aufstellung, und das ganze Honorar wurde vorab in einer Summe überwiesen. Solange alles gut läuft, sieht man davon nichts. Man sieht es, wenn etwas schiefgeht.

Damit es nicht abstrakt bleibt, nehmen wir ein ausgedachtes Beispiel und gehen damit durch den ganzen Artikel: ein Händler für Lagerregale, der B2B verkauft und einen Katalog mit mehreren hundert Artikeln, ein Formular für Angebotsanfragen und einen Traglastrechner haben will. Die Firma ist erfunden, die Situationen sind typisch.

1. Erst das Briefing, dann die Suche

Der häufigste Fehler passiert vor dem ersten Anruf: Der Inhaber geht zu Entwicklern, ohne zu wissen, was er eigentlich kauft. Dann kalkuliert der eine eine Website mit fünf Seiten, der zweite einen Shop mit Bezahlfunktion, der dritte eine Plattform mit Kundenkonto, und diese Zahlen lassen sich nicht vergleichen.

Unser Händler sollte vor der Suche mindestens Folgendes aufschreiben:

  • wozu die Website da ist: Angebotsanfragen, Händlersuche, Unterstützung des Vertriebs;
  • wer kommt und was er sucht: der Einkäufer eines Lagers, der Inhaber einer Logistikfirma, ein Ingenieur, der Traglasten berechnet;
  • wie viele Seiten und Produkte es zum Start gibt und woher Beschreibungen, Fotos und technische Daten kommen;
  • welche Integrationen nötig sind: CRM, Warenwirtschaft, Analytics;
  • wer die Inhalte nach dem Start pflegt;
  • welche Sprachen gebraucht werden und ob weitere Märkte geplant sind.

Dafür reichen ein, zwei Seiten einfacher Text, das Lastenheft kann später kommen. Wie du das Briefing so schreibst, dass alle Entwickler dich gleich verstehen, steht im Artikel „Briefing für die Website“. Mit einem Briefing in der Hand werden Angebote vergleichbar, und das Gespräch dreht sich von der ersten Minute an um dein Geschäft.

2. Freelancer, Studio, Agentur oder Baukasten

Du hast vier Grundoptionen, und keine ist von vornherein besser. Die Frage ist, was zu deiner konkreten Aufgabe passt und wie viel du selbst steuern willst.

Freelancer Studio Full-Service-Agentur Baukasten, du machst es selbst
Wer arbeitet Eine Person, manchmal mit Partner Ein kleines Team: Design, Entwicklung, Projektleitung Ein Team, in dem die Website Teil des Marketings ist: SEO, Werbung, Analytics, Content Du oder jemand aus deinem Team
Wo die Stärke liegt Kleine Aufgaben mit klarem Lastenheft, Nachbesserungen Websites mittlerer Komplexität, eigenes Design Wenn die Website von Anfang an mit Werbung und Suche zusammenarbeiten soll Eine einfache Seite, ein schneller Start, eine Idee testen
Hauptrisiko Krank, ausgelastet, verschwunden: Das Projekt steht Abhängigkeit von einem Team und seiner Warteschlange Du bezahlst Prozesse, die du vielleicht nicht brauchst Grenzen der Plattform, späterer Umzug ist schwierig
Wer das Projekt steuert Größtenteils du Die Projektleitung des Studios Die Projektleitung der Agentur Du
Was du prüfen solltest Live-Websites, Bewertungen, wer einspringt Wer genau im Team ist, wie die Phasen laufen Ob das Team Leute für deine Aufgabe hat, nicht nur einen Verkäufer Ob du deine Daten exportieren und die Domain umziehen kannst

Für unseren Händler mit Katalog, Rechner und Anbindung an die Warenwirtschaft ist ein einzelner Freelancer schon riskant: Eine Person müsste Designer, Entwickler und Tester zugleich sein. Ein Baukasten schafft eine Promo-Seite, aber ein Katalog mit Hunderten Artikeln und einem Rechner stößt an seine Grenzen. Realistisch sind ein Studio oder eine Agentur, und der Unterschied zwischen beiden hängt davon ab, ob du SEO und Werbung gleich mitbrauchst.

Woraus sich der Preis zusammensetzt

Preise gibt es hier keine: Ohne Briefing ist jede Zahl ausgedacht. Aber dafür bezahlst du, und genau diese Punkte erklären die Unterschiede zwischen Angeboten:

  • Analyse und Struktur: welche Seiten nötig sind und wie ein Besucher von dort zur Anfrage kommt;
  • Design: fertiges Template, angepasstes Template oder eigenes Design für deine Marke;
  • Entwicklung: Frontend, Backend, Katalog, Filter, Rechner, Formulare;
  • Integrationen: CRM, Warenwirtschaft, Bezahlung, Versand, Analytics und Werbepixel;
  • Inhalte: Texte, Fotos, Produktimport, Übersetzungen;
  • technische Basis für die Suche: Geschwindigkeit, mobile Version, strukturierte Daten, Weiterleitungen von der alten Website;
  • Tests und Start: Prüfung auf verschiedenen Geräten, Einrichtung von Hosting und E-Mail;
  • Betreuung nach dem Start: Updates, Backups, kleine Änderungen.

Wenn ein Angebot um ein Vielfaches günstiger ist als die anderen, fehlt darin meistens einfach ein Teil dieser Liste. Frag direkt nach, welche Punkte enthalten sind. Was bei uns zur Entwicklung gehört und wovon der Preis abhängt, steht auf der Seite zur Leistung Websites und Onlineshops.

3. Wie du ein Portfolio liest und Live-Websites prüfst

Das Portfolio auf der Website eines Dienstleisters ist ein Schaufenster. Die Bilder sind ausgewählt, zugeschnitten und von ihrer besten Seite gezeigt. Schau deshalb nicht auf die Bilder, sondern auf die Live-Websites dahinter.

Ist die Website noch online?

Bitte um eine Liste mit Links zu echten Projekten. Öffne jeden einzelnen. Wenn die Hälfte der Links ins Leere führt, auf eine Domain zum Verkauf oder auf eine ganz andere Website, ist das auch eine Antwort: Entweder sind die Kunden gegangen und haben neu gebaut, oder die Projekte sind nie live gegangen.

Die Geschichte einer Seite siehst du in der Wayback Machine: Adresse eingeben und Schnappschüsse aus verschiedenen Jahren ansehen. Domaindaten lassen sich per WHOIS abfragen: Für .ua-Domains gibt es den Dienst Hostmaster, für .de-Domains DENIC, für internationale Endungen wie .com ICANN Lookup. Hostmaster und ICANN Lookup zeigen das Registrierungsdatum und den Registrar; DENIC zeigt weniger, meist nur Status, Nameserver und das Datum der letzten Änderung. Persönliche Daten des Inhabers sind oft verborgen, WHOIS sagt dir also nicht, auf wen die Domain läuft, gibt dir aber einen Hinweis, wie alt die Website ist.

Geschwindigkeit mit PageSpeed Insights

Öffne PageSpeed Insights, füge die Adresse einer Website aus dem Portfolio ein und schau dir den Tab für Mobilgeräte an. Dort gibt es zwei Blöcke, und die werden oft verwechselt:

  • Daten echter Nutzer aus dem Chrome User Experience Report für die letzten 28 Tage. Gibt es für die Seite zu wenig Daten, zeigt das Tool Daten für die ganze Website, und reichen auch die nicht, bleibt der Block leer (PageSpeed Insights, Beschreibung des Berichts);
  • der Labortest von Lighthouse: eine simulierte Ladung auf einem Mittelklasse-Smartphone. Ein Wert ab 90 gilt als gut, 50-89 als verbesserungswürdig, unter 50 als schlecht.

Für die wichtigsten Messwerte hält Google diese Werte für gut: Das größte Element der Seite (LCP) erscheint innerhalb von 2,5 Sekunden, die Reaktion auf Interaktionen (INP) liegt bei höchstens 200 Millisekunden, die Layoutverschiebung (CLS) bei höchstens 0,1. Perfekte 100 Punkte musst du nicht erwarten: Der Test schwankt, und der Kunde kann die Website nach der Übergabe mit Widgets vollgehängt haben. Wenn aber alle Live-Websites eines Dienstleisters auf dem Smartphone dauerhaft im roten Bereich liegen, gehört Geschwindigkeit bei ihm einfach nicht zu „fertig“. Was diese Werte bedeuten und was du ohne Entwickler daran ändern kannst, steht im eigenen Artikel zu Core Web Vitals ohne Entwickler.

Mobile Version

Google indexiert und bewertet Websites anhand ihrer mobilen Version (Google Search Central, Mobile-First-Indexierung). Das eigene Google-Tool, das prüfte, ob eine Website „für Mobilgeräte optimiert“ ist, wurde schon am 1. Dezember 2023 abgeschaltet, zusammen mit dem Bericht in der Search Console, und Google hat stattdessen Lighthouse und andere Tools empfohlen (Google Search Central Blog, 2023). Wenn dir ein Dienstleister also immer noch das „grüne Häkchen“ aus diesem Test zeigt, ist das Argument veraltet.

Ein Check, der besser funktioniert als jeder Test: Öffne drei, vier Websites aus dem Portfolio auf deinem eigenen Handy über mobiles Internet und geh den Weg eines Kunden. Such ein Produkt oder eine Leistung, öffne das Menü, füll ein Formular aus. Worauf du achten solltest:

  • ob sich der Text lesen lässt, ohne mit den Fingern zu zoomen;
  • ob die Buttons nicht zu eng beieinander liegen und leicht zu treffen sind;
  • ob das Menü sich ohne Überraschungen öffnet und schließt;
  • ob die Seite beim Laden nicht springt;
  • ob das Formular auf dem Handy bequem ist und für Telefonnummer und E-Mail die passende Tastatur erscheint.

Für unseren Händler ist besonders wichtig, sich die Kataloge im Portfolio anzusehen: ob die Filter auf dem Handy funktionieren und ob die Tabellen mit technischen Daten nicht über den Bildschirmrand hinausragen.

Was du zu jedem Projekt fragen solltest

Frag bei zwei, drei Projekten nach: Was genau hat dieses Team gemacht (die ganze Website oder nur das Design), wie lange hat die Arbeit gedauert, und betreuen sie die Website noch? Wenn möglich, bitte um einen Kontakt beim Kunden. Eine Absage mit Begründung ist in Ordnung, die Antwort „wozu brauchen Sie das“ ist schon ein Signal.

4. Das erste Gespräch: Fragen, die du stellen solltest

Das erste Treffen zeigt, ob der Dienstleister deine Aufgabe versteht und bereit ist, über Unbequemes zu reden. Diese Fragen lohnen sich:

  1. Wer genau arbeitet an dem Projekt? Namen und Rollen: Designer, Entwickler, Projektleitung. Ob ein Teil der Arbeit an Subunternehmer geht.
  2. Was wollen Sie über mein Geschäft wissen? Ein guter Dienstleister stellt von sich aus Fragen: zu Kunden, Vertrieb, Wettbewerbern. Wenn keine Fragen kommen, verkauft man dir ein Template.
  3. Wie sehen die Phasen aus, und was sehe ich nach jeder? Prototyp, Design, eine Testversion unter einer eigenen Adresse.
  4. Auf welcher Plattform läuft die Website, und warum gerade auf dieser? Ob ein anderer Entwickler später mit diesem Code arbeiten kann.
  5. Auf wen werden Domain und Hosting registriert? Die richtige Antwort: auf dich, mit deiner E-Mail-Adresse und deiner Zahlungsmethode.
  6. Was passiert nach der Übergabe mit dem Code? Ob du eine vollständige Kopie der Dateien und der Datenbank bekommst.
  7. Wer pflegt die Inhalte ein, und wer überträgt die alten Seiten? Für unseren Händler, der schon eine alte Website hat, ist das auch eine Frage der Weiterleitungen: Ohne sie kann Suchtraffic verloren gehen, also frag, wie der Dienstleister die alten Adressen umziehen will.
  8. Was deckt die Gewährleistung ab, und was kommt danach? Die Frist, welche Fehler kostenlos behoben werden, was die weitere Betreuung kostet.
  9. Wie und wie schnell kommunizieren wir? Kanal, Antwortzeit, wie oft du Berichte bekommst.

Wichtig ist nicht nur, was geantwortet wird, sondern wie: konkret oder „keine Sorge, wir kümmern uns um alles“.

5. Rote Flaggen schon vor dem Vertrag

Manche Probleme sieht man schon beim Angebot. Hier sind die Signale, bei denen du innehalten und weitere Fragen stellen solltest:

  • Ein exakter Preis für ein komplexes Projekt ohne Briefing. Du hast nach zwei Sätzen im Messenger eine Summe für einen Katalog mit Integrationen bekommen. Dann wurde nicht dein Projekt kalkuliert, sondern ein Durchschnittsprojekt. Die Differenz taucht später als „Aufpreis für Zusatzleistungen“ auf. Ein Festpreis für ein Paket mit vorab beschriebenem Umfang (zum Beispiel eine Visitenkarten-Website mit Seitenliste) ist etwas anderes: Da sieht man, was enthalten ist.
  • „Wir bauen die ganze Website in drei Tagen.“ Ein Entwurf oder ein Prototyp der Startseite in ein paar Tagen ist normal. Aber ein Katalog mit Hunderten Artikeln, ein Rechner, die Anbindung an die Warenwirtschaft und Tests auf Smartphones passen nicht in drei Tage. Höchstwahrscheinlich bekommst du ein fertiges Template, das man Website nennt.
  • Die Domain läuft auf den Entwickler. „Wir registrieren alles selbst, damit müssen Sie sich nicht befassen.“ Bequem, solange ihr euch versteht. Wenn nicht mehr, bleibt die Adresse deiner Website in fremden Händen.
  • Alles im Voraus bezahlt. Volle Vorkasse nimmt dir den einzigen Hebel, wenn etwas schiefgeht.
  • Keine Live-Websites im Portfolio. Nur Bilder und „Projekte unter NDA“.
  • Kein Vertrag oder ein Vertrag auf einer Seite mit der Formulierung „Erstellung einer Website nach Absprache“.
  • Ergebnisgarantien. „Erste Seite bei Google in einem Monat“ oder „hundert Anfragen pro Woche“. Das kann niemand ehrlich versprechen, weil das Ergebnis vom Markt, von der Konkurrenz und davon abhängt, was nach dem Start passiert.

Eine Flagge allein ist noch kein Urteil, aber drei auf einmal sind ein guter Grund, sich andere Kandidaten anzusehen.

6. Anzeichen eines unseriösen Dienstleisters während der Arbeit

Der Vertrag ist unterschrieben, die Arbeit läuft. Auch hier gibt es Warnsignale, und die bemerkst du besser in der zweiten Woche als im vierten Monat.

1. Termine platzen, und du erfährst es als Letzter

Eine Verzögerung ist an sich keine Katastrophe: In einem echten Projekt läuft immer etwas anders als geplant. Wichtig ist, wie man dir davon erzählt.

Normal: Du wirst vorab gewarnt, bekommst den Grund genannt und einen neuen Plan angeboten. Bedenklich: Vom geplatzten Termin erfährst du am Tag der Deadline, die Antworten im Chat werden länger und vager, und plötzlich bist du schuld.

Was du tun kannst: den Grund schriftlich erfragen, vereinbaren, dass du über jede Verschiebung rechtzeitig informiert wirst, und die Fristen der Phasen im Vertrag festhalten. Wenn das Verschieben System bekommt, führ im Chat eine kurze Chronik: was versprochen wurde, wann, und was geliefert wurde. Die brauchst du, falls ihr euch trennen müsst.

2. Der Preis steigt ständig

Ein Budget kann sich ehrlich ändern: Du hast eine Funktion gewünscht, die nicht im Briefing stand, oder die Warenwirtschaft liefert die Daten anders, als alle dachten. Ein guter Dienstleister erklärt die Änderung und den Preis, bevor er loslegt. Das unseriöse Szenario: Der Preis wurde gedrückt, um den Auftrag zu bekommen, und jetzt wird mit Aufpreisen für Dinge nachgeholt, die von Anfang an hätten enthalten sein sollen.

Was du tun kannst: für jeden Aufpreis eine schriftliche Begründung verlangen, bezogen auf den Leistungsumfang. Jede Änderung des Umfangs wird gesondert vereinbart, bevor jemand daran arbeitet. Wenn es keine Erklärungen gibt und die Aufpreise nicht aufhören, vergleich die restliche Arbeit mit dem Angebot eines anderen Dienstleisters. Manchmal ist es günstiger, mitten im Projekt auszusteigen, als bis zum Ende draufzuzahlen.

3. Vor dem Vertrag warst du der wichtigste Kunde, danach einer von vielen

Solange verkauft wird, antwortet der Ansprechpartner innerhalb von fünf Minuten und bringt selbst Ideen ein. Nach der Unterschrift kommen die Antworten einen Tag später, und die Initiative geht immer von dir aus.

Was du tun kannst: ehrlich sagen, was dich stört, und einen Rhythmus vereinbaren: ein kurzer wöchentlicher Bericht oder ein Call, eine Antwortzeit während der Arbeitszeit. Oft reicht das, denn das Problem ist häufig ein überlasteter Ansprechpartner und kein fehlender Wille. Ändert sich nach dem Gespräch nichts, liegt das Problem nicht mehr beim Ansprechpartner.

4. Keine Zwischenstände

Man verspricht, dir „morgen“ etwas zu zeigen, dann „nächste Woche“, dann kommt ein Screenshot. Ein Screenshot beweist nicht, dass sich das Menü öffnet, der Filter filtert und das Formular eine Anfrage abschickt.

Meist steckt eins von zwei Dingen dahinter: Die Arbeit steht, weil die Leute mit anderen Projekten beschäftigt sind, oder sie geht deutlich langsamer voran als behauptet.

Was du tun kannst: gleich zu Beginn vereinbaren, dass du nach jeder Phase Zugang zu einer Testversion unter einer eigenen Adresse bekommst und selbst darin herumklicken kannst. Für unseren Händler heißt das zum Beispiel: ein Katalog mit den ersten hundert Produkten und funktionierendem Filter lange vor dem vollständigen Start. So siehst du Probleme, solange sie noch günstig zu beheben sind.

5. Du weißt nicht, wer deine Website baut

Im Chat ist nur der Ansprechpartner. Auf die Frage nach dem Entwickler heißt es: „Er ist sehr beschäftigt, ich gebe es weiter.“ Manchmal ist das einfach eine Art, die Zeit des Teams zu schützen. Manchmal wurde das Projekt aber stillschweigend an einen Subunternehmer gegeben, oder statt des erfahrenen Entwicklers aus dem Verkaufsgespräch schreibt ein Praktikant den Code. Jedes zusätzliche Glied in der Kette verlängert die Fristen und erhöht die Chance, dass bei der Weitergabe etwas verloren geht.

Was du tun kannst: um mindestens ein Treffen mit der Person bitten, die den Code schreibt. Ein seriöser Dienstleister organisiert das ohne Probleme. Wenn man dir erklärt, warum das nicht möglich ist, merk dir diese Erklärung.

7. Seriöser und unseriöser Dienstleister im Vergleich

Im laufenden Projekt wirkt alles verschwommen, in einer Tabelle wird es offensichtlich.

Situation Seriöser Dienstleister Unseriöser Dienstleister
Termine verschieben sich Warnt vorab, erklärt, bietet einen Plan an Du erfährst es am Tag der Deadline oder fragst selbst nach
Budget wächst Erklärt jeden Aufpreis vor Beginn der Arbeit Es gibt Aufpreise, aber was sich an der Website geändert hat, ist unklar
Kommunikation Zu den vereinbarten Zeiten erreichbar, Initiative von beiden Seiten Schreiben und erinnern musst nur du
Zwischenergebnisse Eine Testversion nach jeder Phase Versprechen und Screenshots
Team Du weißt, wer deine Website baut Die Entwickler sind „beschäftigt“, mit ihnen redet man nicht
Zugänge Domain und Hosting ab dem ersten Tag auf dich „Wir übergeben später alles“

8. Wie du dich künftig absicherst: Vertrag, Kommunikation und ein Plan B

Wähl einen Dienstleister nicht nach einem einzigen Kriterium aus: niedrigster Preis, laute Werbung oder „ein Bekannter hat da machen lassen“. Und selbst wenn der Dienstleister ein alter Bekannter ist, seid ihr Geschäftspartner: Vertrag, Abnahme, Berichte.

Was in den Vertrag gehört

Ein Vertrag für eine Website muss nicht dick sein, aber ein paar Dinge sollten darin ausdrücklich stehen:

  • Leistungsumfang. Eine Liste der Seiten, Funktionen und Integrationen, am besten als Anlage mit Briefing oder Lastenheft. Alles, was dort nicht steht, gilt als zusätzliche Leistung, und das ist für beide Seiten fair.
  • Phasen und Zahlung in Raten. Zum Beispiel: eine Anzahlung zum Start, danach Zahlung nach Abnahme jeder Phase (Struktur und Prototyp, Design, Entwicklung, Start). Jede Zahlung ist an ein Ergebnis gebunden, das du sehen kannst.
  • Fristen der Phasen und wie sie sich verschieben, wenn die Verzögerung bei dir liegt (Texte nicht geliefert, Freigaben dauerten lange).
  • Inhaber von Domain und Hosting. Domain und Hosting laufen auf dich oder deine Firma, mit deiner Kontakt-E-Mail. Der Entwickler bekommt für die Dauer der Arbeit Zugang.
  • Rechte an Code und Design. Hier gibt es eine rechtliche Feinheit. Wem die Rechte an Design und Code gehören, hängt vom Recht des jeweiligen Landes ab. In der Ukraine (Artikel 430 des Zivilgesetzbuchs) gehören die Rechte an einem Werk, das im Auftrag geschaffen wurde, dem Urheber und dem Auftraggeber gemeinsam, sofern der Vertrag nichts anderes regelt. In Deutschland bleibt der Urheber Inhaber des Urheberrechts, und der Auftraggeber erhält Nutzungsrechte (§ 31 UrhG), deren Umfang der Vertrag bestimmt. So oder so kann es sein, dass dir ohne eigene Klausel deine eigene Website nicht allein gehört oder du weniger Rechte daran hast, als du dachtest. Lass die Übertragung der Rechte an Design und Code ausdrücklich festschreiben (außer für fremde Bibliotheken und Plugins, die eigene Lizenzen haben), und zeig die Formulierung einem Anwalt.
  • Übergabe von Zugängen und Dateien. Was genau du nach dem Start bekommst: Administratorzugang zur Website, zum Hosting, zu DNS, E-Mail, Analytics und Werbekonten sowie eine vollständige Kopie der Dateien und der Datenbank. Eine Liste, nicht „alles Nötige“.
  • Abnahme. Wie du prüfst, wie viele Tage du für Anmerkungen hast, was als Fehler gilt und was als neuer Wunsch. Das Abnahmeprotokoll wird unterschrieben, wenn die Website funktioniert, nicht wenn sie auf dem Laptop des Ansprechpartners gezeigt wurde.
  • Gewährleistung. Die Frist, in der der Dienstleister Fehler an der gelieferten Arbeit kostenlos behebt.
  • Betreuung nach dem Start. Besser in einem separaten Vertrag: was enthalten ist, wie schnell reagiert wird, was es kostet, wie man kündigt.

Vereinbare die Kommunikation im Voraus

Für den einen ist eine Antwort nach zwei Stunden normal, für den anderen schon respektlos. Vereinbare zu Beginn: Messenger, Antwortzeit während der Arbeitszeit, wie oft es Berichte und Präsentationen gibt. Eine Zeile in einer E-Mail nach dem ersten Treffen erspart die Hälfte künftiger Streitigkeiten.

Halte dir eine Alternative offen

Heb dir den Kontakt von ein, zwei Teams auf, mit denen du bei der Auswahl gesprochen hast. Mit ihnen kannst du ein neues Angebot und neue Fristen gegenprüfen, und du weißt, wohin, falls die Zusammenarbeit nicht klappt. Code, Zugänge und eine Kopie der Website bei dir machen so einen Wechsel schmerzhaft, aber möglich.

9. Wie du dir nicht selbst ein Bein stellst: Zugänge, Domain und Hosting

Eine typische Situation sieht so aus. Die Website ist fertig, sie läuft, die Schlussrechnung ist bezahlt, alle sind zufrieden. Ein Jahr später willst du dich um Marketing kümmern und wendest dich an ein anderes Team. Als Erstes fragen sie nach den Zugängen zum Backend, zum Hosting, zur Domain und zu Analytics. Und du hast sie nie gesehen.

Der alte Entwickler antwortet höflich, die Website liege auf seinem Server, Zugang könne er nicht geben, dafür könne er das Marketing gern selbst übernehmen. Die Domain läuft ebenfalls auf die Agentur. Formal gibt es nichts zu beanstanden: Im Vertrag standen Erstellung und Start. Manchmal bleibt nur ein Ausweg: eine neue Website auf einer neuen Domain.

Damit das nicht passiert, sind die Regeln einfach, und keine davon erfordert technisches Wissen:

  1. Registriere die Domain auf dich oder deine Firma. Auch wenn der Entwickler die Anmeldung übernimmt, musst du als Inhaber eingetragen sein, mit deiner E-Mail-Adresse, auf die du Zugriff hast.
  2. Eröffne das Hosting auf deinem eigenen Konto und bezahl es von deinem Konto. Gib dem Entwickler einen eigenen Zugang.
  3. Sammle nach dem Start alle Zugänge an einem Ort: Domain-Registrar, Hosting, Backend der Website, DNS, E-Mail auf der Domain, Analytics, Search Console, Werbekonten. Speichere sie in einem Passwortmanager, nicht im Chatverlauf.
  4. Bitte um eine kurze Einweisung: wie man ein Produkt hinzufügt, einen Text ändert, ein Foto hochlädt. Das lässt sich im Vertrag als Teil der Übergabe festhalten.
  5. Ändere nach dem Ende der Zusammenarbeit die Passwörter oder entziehe dem früheren Dienstleister die Zugänge. Das ist normale Hygiene, und niemand muss deshalb beleidigt sein.

Wenn du schon in der Lage bist, dass der Dienstleister nicht erreichbar ist und du keine Zugänge hast, findest du einen Schritt-für-Schritt-Plan, wie du sie zurückbekommst, im Artikel „Dienstleister weg. Wer kontrolliert jetzt deine Website?“.

10. Kurze Checkliste für die Wahl des Entwicklers

Speicher sie dir und geh sie vor der Unterschrift durch:

  • Es gibt ein Briefing, und alle Kandidaten haben dasselbe Projekt kalkuliert
  • Die Art des Dienstleisters passt zur Aufgabe, nicht zum niedrigsten Preis
  • Drei, vier Live-Websites aus dem Portfolio geprüft: Sie laden, funktionieren auf dem Handy und liegen in PageSpeed auf dem Smartphone nicht im roten Bereich
  • Du weißt, wer genau die Website baut
  • Der Preis ist Punkt für Punkt erklärt, es ist klar, was enthalten ist und was nicht
  • Domain und Hosting laufen ab dem ersten Tag auf dich
  • Im Vertrag stehen Umfang, Phasen, Zahlung in Raten, Rechte am Code, eine Liste der Zugänge, Abnahme und Gewährleistung
  • Es ist vereinbart, wie und wie oft ihr in Kontakt seid
  • Du hast den Kontakt mindestens eines Ersatzdienstleisters

11. Fazit

Ein guter Entwickler ist bei jedem Schritt transparent: Du siehst, wer arbeitet, was schon fertig ist, wofür du bezahlst und was nach dem Start dir gehört. Viele unangenehme Geschichten mit Websites beginnen mit einer Domain auf fremdem Namen, einem Vertrag ohne Leistungsliste und einer Zahlung im Voraus.

Wenn du deine aktuelle Website mit den Augen eines Außenstehenden ansehen willst, bevor du einen neuen Dienstleister suchst, fang mit dem kostenlosen Website-Check an. Und wenn du schon ein Briefing hast und ein Team suchst, schreib uns: Wir sehen uns die Aufgabe an und sagen dir ehrlich, ob wir dafür die Richtigen sind.

12. FAQ

Ja, wenn es ein Briefing gibt: Aufgabe, Zielgruppe, Seiten, Funktionen. Ein ausführliches Lastenheft wird oft gemeinsam mit dem Dienstleister in der ersten Phase erstellt, und das ist eine eigene Leistung, die ebenfalls in den Vertrag gehört. Ohne Briefing und ohne Lastenheft wird die Kalkulation auf beiden Seiten zum Ratespiel.

13. Quellen

  1. PageSpeed Insights, Beschreibung des Berichts: Daten echter Nutzer, Labortest, Grenzwerte
  2. PageSpeed Insights
  3. Google Search Central, Mobile-First-Indexierung
  4. Google Search Central Blog, The role of page experience in creating helpful content (Abschaltung des Tests auf Optimierung für Mobilgeräte ab 1.12.2023)
  5. Zivilgesetzbuch der Ukraine, Artikel 430
  6. Hostmaster, WHOIS für .UA-Domains
  7. ICANN Lookup, Registrierungsdaten von Domains
  8. Internet Archive, Wayback Machine
  9. Urheberrechtsgesetz, § 31 Einräumung von Nutzungsrechten
  10. DENIC, Registrierungsstelle für .de-Domains

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Beschreib dein Projekt in ein paar Sätzen: Wir schauen uns die Aufgabe an und sagen dir ehrlich, ob wir dazu passen.